Banalitäten und
Blödeleien
2006
Politiker fordern
Gesetzesänderung
In einer modernen Gesellschaft hat der Tod keinen Platz mehr
Deshalb muß er per Gesetz verboten werden
Religiöse Toleranz
Der westliche Mensch ist tolerant gegenüber den Moslems
Solange sie christliche Werte einhalten
Weltweit
In den USA und Europa ist man über die Fundamentalisten
entsetzt
Die Nachrichten sprechen von weltweiter Empörung
Hektische Zeiten
Heute schiebt man den Tod stets beiseite
Deshalb also sind alle in ständigem Stress
Humaner Krieg
Totalitäre Staaten lassen ihre Soldaten für Gott und Vaterland
morden
Demokratien natürlich im Namen von Freiheit und Menschenrecht
Mittelasien
Freiheit und Demokratie wird auch am Hindukusch verteidigt
Jedenfalls solange, bis genügend Verteidiger gefallen sind
Gentechnik am
Menschen
Der Mensch darf Gottes Schöpfung nicht verändern
Wo kämen wir denn hin, wenn eines Tages alle klug und gesund
wären?
Gläserner Bürger
Natürlich darf ein demokratischer Staat die Bürger überwachen
Irgendwie muß er doch erfahren was seine Menschen wollen
Globalisierung
2010
Der chinesische Regierungschef Bill Gates forderte das europäische
Parlament auf,
endlich das neue indische Software-Patentgesetz zu
ratifizieren
Geschichtliche
Wahrheit
Die Historie war stets eine der Huren des Zeitgeistes
Mehr Ehrlichkeit im
Parlament
Die Diäten der Abgeordneten werden abgeschafft, Nebeneinkünfte
verboten
Die Besoldung übernimmt statt dessen der neu gegründete
Bundesverband der Lobbyisten
Intellekt
Der wahrhaft Kluge unterscheidet sich vom weniger Klugen
dadurch,
daß er von sich selbst nicht glaubt, besonders klug zu sein
Meinungsfreiheit
Eine Zensur findet nicht statt
Das Nähere wird von Bundesgesetzen geregelt
2008
Lied von klein Elisa auf der
Schaukel:
Ich sterbe, ich sterbe, ich sterb den ganzen Tag,
und wenn ich genug gesterbt hab, hör ich wieder auf
3.5.2008
2009
Wahre Liebe
Lieben kann nur wer sich selbst liebt,
weil alles was man am anderen liebt,
auf eine andere Person projizierte Selbstliebe ist
Kriminalitätsrate
Die Zahl der jährlichen Straftaten steigt stetig,
proportional zur Zahl der neuen Gesetze
Lob der Faulheit
Nicht die faulen Menschen zerstören die Erde,
sondern die fleißigen und aktiven
Neue historische
Erkenntnis
Gier nach Alkohol war als Triebfeder des Ackerbaus die Mutter aller
Zivilisation,
als man aus dem Rausch endlich wieder erwachte, war es zu
spät
Sackgasse der
Evolution
Immer mehr Gläubige glauben nicht mehr an Vernunft und Logik
Narreteien
Normale Narren finden den eigenen Wert durch eine fremde
Meinung,
Nur große Narren glauben, es sei die eigene gewesen
Intelligent Design
Ich denke, also wurde ich kreiert
Evangelikale, Islamisten und
der große Unterschied
Alle Macht über die Völker soll von Gott ausgehen,
ob man ihn Allah nennt, entscheidet dann ein Krieg
Charles Darwin
Nicht der Erste, aber der Erfolgreichste,
oder kurz - Evolution
Gedichte die keine Gedichte
sind
sommerregen...
fällt sanft über den park
ein düsenriese röhrt
den brunftschrei der technik
beantwortet der regen
mit heftigerem rauschen
mit ausgebreiteten armen
tollende kinder
naßschimmernd
die in asphalt gequetschten bäume
gierig saugt das rund des sandes
wohl der hunde wegen freigelassen
das wasser
ein alter im hauseingang
wartet
eine frau mit regenschirm
eilt zum einkauf
ein junger mann
dem regen nichts ausmacht
polizei sa ss
auf der jacke
von bäumen fallen große tropfen
ich steige
in die schmutzige sterilität
der u-bahn hinunter
(Berlin 1982)
Und am Samstag
alleine
Eine verbrauchte Frau
schenkt mit zitternder Hand
Wodka
in Plastikbecher
Ich passe
ruft einer
der nicht sehr gesund aussieht
Die anderen trinken
während der Regen auf sie
unhörbar nieselt
Macht wohl gerade
ne Selbstentziehungskur
Vielleicht hält er ja
beim zweiten oder dritten mit
Vorbei
in der Markthalle
beschließe ich
heute nichts zu saufen
Abends
in der bekannten Kneipe
unbekannte Menschen
mit ein paar haste schon mal gequatscht
aber
man hat sich nichts zu sagen
Zwei Frauen
labern
Der nebenan glotzt
ins Leere
Musik
um das Tote zu überdecken
Ich bestell n´ Bier
Später
im Superfly
aufgetakelte Tussen
stolzierene Schönlinge
Und noch n´ Bier
Endlich
ein Mädchen das mir gefällt
aber die Stimmung der lebenden Toten
hält mich schon so lange in Klauen
Ich gehe
durch leisen Regen
zum nächsten Busstop
Trinke
in der Tag und Nachtkneipe
noch n´ Bier
Auch dort
das merk ich
wohnt unsichtbar
die alles beherrschende
Tödlichkeit
(Berlin 20.6.82)
Das Leid der Welt und wie es
endet
(Buddhistisch)
Wer Unwissend ist, hat Willen
Wer Willen hat, ist sich seiner selbst bewußt
Wer sich seiner selbst bewußt ist, manifestiert sich in einem
Körper
Wer einen Körper hat, besitzt sechs Sinne
Wer sechs Sinne besitzt, berührt
Wer berührt, fühlt
Wer fühlt, besitzt
Wer besitzt, will behalten
Wer behalten will, muß handeln
Wer handelt, wird sündigen
Wer sündigt, bringt den Schmerz in die Welt
So ensteht das Leid der Welt
Wer Wissend ist, hat keinen Willen
Wer keinen Willen hat, ist sich seiner selbst nicht bewußt
Wer sich seiner selbst nicht bewußt ist, manifestiert sich nicht in
einem Körper
Wer keinen Körper hat, besitzt keine sechs Sinne
Wer keine sechs Sinne besitzt, berührt nicht
Wer nicht berührt, fühlt nicht
Wer nicht fühlt, besitzt nicht
Wer nicht besitzt, will nicht behalten
Wer nicht behalten will, muß nicht handeln
Wer nicht handelt, wird nicht sündigen
Wer nicht sündigt, bringt keinen Schmerz in die Welt
So endet das Leid der Welt
Copyright aller Texte by Peter
Engelhardt